Was ist ein DX-Code und wie nutzt du ihn? Mehr Kontrolle über deine Filmkamera
Emiliano Vittoriosi
··7 min read
Wenn du schon einmal Kleinbildfilm in eine automatische Kompakt- oder Spiegelreflexkamera eingelegt hast, wusste die Kamera wahrscheinlich sofort, welche ISO-Empfindlichkeit er hat. Kein Einstellrad, kein Menü: einfach fotografieren. Möglich macht das ein kleines, wirkungsvolles Detail auf der Filmpatrone – der DX-Code.
Aber was genau ist ein DX-Code? Und wusstest du, dass du ihn verändern kannst?
Schauen wir uns das genauer an.
Was ist der DX-Code?
Der DX-Code („Digital indeX“) ist ein Muster aus silbernen und schwarzen Feldern auf der Kleinbildpatrone. Er wurde in den 1980er-Jahren eingeführt und übermittelt der Kamera drei wesentliche Angaben:
Filmempfindlichkeit (ISO)
Anzahl der Aufnahmen (24 oder 36)
Belichtungsspielraum bei Über- und Unterbelichtung
Die meisten automatischen Filmkameras, besonders Kompaktkameras, lesen den Code mit kleinen Kontakten im Filmfach. Daraus übernimmt die Kamera automatisch die ISO-Einstellung und die Bildzahl.
Du musst also nichts selbst einstellen. Einfach, oder?
Warum solltest du den Code verändern?
Weil du nicht immer die Kamera entscheiden lassen möchtest.
Vielleicht fotografierst du mit Cinestill 800T, möchtest ihn für bessere Schattenzeichnung aber wie ISO 500 belichten. Oder du planst eine Push- oder Pull-Entwicklung und musst die automatische Einstellung übersteuern.
Wenn deine Kamera keine manuelle ISO-Einstellung erlaubt, kannst du über den DX-Code Einfluss nehmen.
Genau hier kommt das Verändern des DX-Codes ins Spiel.
So veränderst du den DX-Code, ohne den Film zu beschädigen
Du brauchst:
Schwarzes Isolierband
Eine Schere oder einen Locher
Deinen Film
Der DX-Code besteht aus zwei Reihen mit je sechs Feldern, also zwölf möglichen Kontaktpunkten. Die obere Reihe bestimmt die ISO-Empfindlichkeit. Jedes schwarze, nicht leitende oder silberne, leitende Feld steht für ein binäres Signal. Indem du bestimmte Kontakte abdeckst oder freilegst, lässt du die Kamera eine andere ISO-Zahl erkennen.
Du möchtest ISO-400-Film wie ISO 100 belichten? Decke die passenden Felder ab.
Du möchtest ISO-200-Film mit ISO 800 belichten und pushen? Lege die entsprechenden Kontakte frei.
Ein Tipp von Berlin Photo Studio
Wir vermitteln diesen Trick gern in unseren Film-Workshops und ermutigen unsere Kunden, ihn auszuprobieren – besonders mit Kinofilmen wie Kodak Vision3 oder experimentellen Filmen wie Foma Retropan.
Wichtig: Ein veränderter DX-Code ändert nicht die tatsächliche Empfindlichkeit des Films, sondern nur die Belichtungsmessung der Kamera. Stimme deshalb auch die Entwicklung – gegebenenfalls Push oder Pull – auf die verwendete ISO-Einstellung ab.
Noch unsicher? Sprich mit uns!
Wenn dich solche Filmexperimente interessieren, du aber unsicher bist, komm im Laden vorbei. Wir zeigen dir gern an echten Patronen, wie DX-Codes funktionieren. Oder nimm an unserem nächsten Workshop zur analogen Fotografie teil.
Für gezielte ISO-Anpassungen haben wir auch unbeschriftete DX-Aufkleber. Unsere Alien-Film-, Cinestill- und experimentellen Filme sind mit klaren DX-Codes versehen – bei Bedarf auch mit angepassten Codes.
Zum Schluss
In der digitalen Welt läuft vieles automatisch. In der Filmfotografie kannst du selbst die Kontrolle übernehmen, auch wenn deine Kamera es besser zu wissen glaubt. Den DX-Code zu verstehen und gezielt zu verändern ist ein weiterer Schritt zu einem bewussten Umgang mit analoger Fotografie.
Also: zuschneiden, abdecken, anpassen – und bewusst fotografieren.
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