Am 11. Juli 2026 kamen rund vierzig Menschen zum ersten PolaWalk ins Berlin Photo Studio. Einige kannten sich bereits, viele noch nicht. Manche fotografierten seit Jahren mit Sofortbildfilm, andere hielten zum ersten Mal eine Polaroidkamera in der Hand.
Wir teilten die Teilnehmenden in zehn kleine Gruppen ein. Jede Gruppe erhielt eine Polaroid Go und Film zum gemeinsamen Fotografieren. Daraus ergab sich eine einfache Begrenzung: Nicht jeder konnte alles aufnehmen. Man musste hinsehen, auswählen, warten und die Kamera weitergeben.
Diese Begrenzung wurde zum Mittelpunkt der Veranstaltung. Es ging nicht darum, möglichst viele Bilder zu produzieren, sondern darum, aufmerksames Hinsehen sichtbar zu machen.

Warum ein PolaWalk?
Bei Fotoveranstaltungen steht oft zuerst die Ausrüstung im Mittelpunkt: Welche Kamera, welches Objektiv, welche Einstellungen? Wir wollten mit dem Miteinander beginnen. Eine gemeinsam genutzte Sofortbildkamera verändert das Zusammenspiel. Jemand entdeckt etwas, jemand anderes hält die Kamera, eine weitere Person tritt ins Bild – und langsam entsteht das Foto in den Händen der Gruppe.
Sofortbildfotografie hat eine greifbare Qualität, die vielen heutigen Bildern fehlt. Das Foto lässt sich im Moment seiner Entstehung nicht beliebig vervielfältigen. Es nimmt eine kleine Fläche ein. Man kann es weiterreichen, beschriften, verlieren, schützen oder in ein Buch legen.
Für Berlin Photo Studio liegt darin auch ein wesentlicher Grund, überhaupt analog zu arbeiten. Das Material schafft eine Pause. Aus der Pause entsteht ein Gespräch.
Vierzig Teilnehmende, zehn kleine Gruppen
Die kleinen Gruppen sorgten für eine persönliche Atmosphäre. Jede konnte ihre eigene Route und ihre eigenen Motive wählen, statt in einer großen Reihe durch die Stadt zu ziehen. Manche fotografierten Architektur und Schilder, andere machten eine Porträtserie. Einige Bilder waren genau geplant; andere entstanden, weil jemand im richtigen Moment lachte.
Jede Polaroid Go wurde zu einem gemeinsamen Blickwinkel. Die Kamera blieb dieselbe, aber mit jeder Hand, in die sie wechselte, änderte sich die Absicht hinter dem Bild.
Die Veranstaltung wurde von Polaroid unterstützt und gemeinsam mit Safelight Berlin gestaltet. Dadurch konnten wir der Community echte Sofortbildkameras und Film zum Fotografieren geben, statt den Tag zu einer Produktvorführung zu machen.
Die Unvorhersehbarkeit von Sofortbildfilm
Ein Polaroid erscheint nicht sofort als fertige digitale Vorschau. Es entwickelt sich nach und nach. In dieser Zeit lassen sich weder Fokus noch Belichtung korrigieren, und der genaue Moment kehrt nicht zurück. Das Ergebnis kann dunkler, weicher, ungewöhnlicher oder schöner sein als erwartet.
Diese Ungewissheit ist kein technischer Fehler, sondern Teil des Mediums. Sofortbildfilm belohnt gutes Licht, einen passenden Aufnahmeabstand und den bewussten Einsatz des Blitzes. Zugleich lässt er Raum für Zufälle.
Während des Spaziergangs sorgten die kleinen Bilder schon für Gespräche, bevor sie fertig entwickelt waren. Die Teilnehmenden verglichen Farben, Belichtung und Bildausschnitt. Ein Foto, das sonst vielleicht in einer Handygalerie verschwunden wäre, wurde zu einem Gegenstand, um den sich die Gruppe versammelte.

Kein Wettbewerb, sondern ein gemeinsames Archiv
Beim ersten PolaWalk ging es nie nur darum, einen Gewinner zu bestimmen. Ein Preis kann spielerisch motivieren, sollte aber nicht zum Sinn der Veranstaltung werden. Die größere Idee ist ein gemeinsames Archiv aus den verschiedenen PolaWalk-Ausgaben.
Teilnehmende können Fotos der Veranstaltung für ein Fanzine einreichen. Professionelle Scans ermöglichen es, die kleinen Originale zu veröffentlichen, während die physischen Polaroids bei ihren Fotografen bleiben. Nach mehreren Ausgaben kann aus ausgewählten Arbeiten ein größeres Fotobuch der Community entstehen.
Ein Fanzine verändert, wie ein Bild weiterlebt. Aus einem privaten Gegenstand wird Teil einer Bildfolge. Die Straßenecke einer Person steht neben dem Porträt einer anderen. Zusammen erzählen sie von einem Tag, den niemand allein vollständig erleben konnte.
Was wir aus der ersten Ausgabe gelernt haben
Die Veranstaltung hat gezeigt, dass eine einfache Struktur auch eine große Gruppe tragen kann, wenn Verantwortung geteilt wird. Kleine Teams erleichterten die Orientierung und gaben ruhigeren Teilnehmenden mehr Raum, sich einzubringen.
Außerdem haben wir gelernt, die Einführung kurz zu halten. Zu viele Regeln können den Blick schon vor dem Start einengen. Am hilfreichsten waren praktische Hinweise: die begrenzte Bildzahl beachten, bei Bedarf blitzen, das sich entwickelnde Foto schützen und alle einmal fotografieren lassen.
Schließlich wurde deutlich, dass die Rückkehr genauso wichtig ist wie der Spaziergang. Zurück im Studio konnten die verstreuten Gruppen wieder zusammenkommen, Bilder vergleichen und sich als eine Community erleben.
Die Geschichte geht weiter
Der zweite PolaWalk fand am 12. September 2026 statt und verband Safelight Berlin und Berlin Photo Studio durch gemeinsam genutzte Kameras, Fotos und Gespräche.

Der nächste Termin wird in Kürze bekannt gegeben. Zurzeit sind keine Buchungen möglich. Folgen Sie @berlinphotostudio für die Ankündigung, entdecken Sie das PolaWalk-Archiv oder reichen Sie Ihre September-Fotos über den Aufruf zur Teilnahme am Fanzine ein.
Warum ein kleines Foto eine große Erinnerung schaffen kann
Ein Polaroid-Go-Bild ist klein. Doch gerade dieses Format verändert den Umgang damit. Man holt es näher heran, jemand schaut über die Schulter mit. Es wirkt weniger wie eine öffentliche Bildfläche und mehr wie eine persönliche Notiz.
Beim ersten Spaziergang half diese Greifbarkeit dabei, Fremde zu Mitgestaltenden zu machen. Man bat um die Kamera, wartete auf den Blitz, schützte das sich entwickelnde Bild vor starkem Licht und entschied gemeinsam, wer einen bestimmten Abzug behalten durfte. Das Foto führte zu kleinen Absprachen, die beim Fotografieren mit dem eigenen Handy kaum entstehen würden.
Deshalb ist die geplante Veröffentlichung wichtig. Scans für ein Fanzine ersetzen die Originale nicht, sondern verbinden sie. Das Buch oder Zine wird zu einer Karte verschiedener Begegnungen. Jedes physische Polaroid behält dabei seine Spuren, Fingerabdrücke und seinen persönlichen Platz.
Häufig gestellte Fragen
Brauche ich eine eigene Polaroidkamera?
Nein. Bei der ersten Ausgabe teilten sich kleine Gruppen jeweils eine Polaroid Go.
Brauche ich Erfahrung mit Sofortbildfotografie?
Nein. Das Format eignet sich für Einsteiger. Vor dem Spaziergang gibt es eine praktische Einführung.
Kann ich mehr als ein Foto einreichen?
Das Projekt sammelt Arbeiten der Teilnehmenden. Beachten Sie für jede Ausgabe die aktuellen Hinweise zur Einreichung auf der PolaWalk-Seite.
Wird es einen weiteren PolaWalk geben?
Der nächste Termin wird in Kürze bekannt gegeben. Zurzeit sind keine Buchungen möglich. Aktuelle Informationen finden Sie auf der PolaWalk-Seite oder bei @berlinphotostudio auf Instagram.
Wer war am ersten PolaWalk beteiligt?
Berlin Photo Studio organisierte die Veranstaltung mit Unterstützung von Polaroid und in Zusammenarbeit mit Safelight Berlin.
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