Meist sehen wir ein Foto erst, nachdem ein Großteil seiner Entstehung im Verborgenen stattgefunden hat. Wir lösen aus, geben den Film ab und erhalten einen Scan. Alles dazwischen verschwindet hinter einer Labortür.
Wine & Darkroom öffnet diese Tür. In einem privaten Workshop erleben die Teilnehmenden den ganzen Weg: vom Fotografieren über die Filmentwicklung und das Lesen eines Kontaktbogens bis zum selbst angefertigten Silbergelatineabzug am Vergrößerer.
Das Glas Wein gibt dem Abend einen entspannten Rahmen. Im Mittelpunkt steht jedoch die Verwandlung: Aus Licht wird ein latentes Bild, die Chemie macht es sichtbar und der Vergrößerer bringt es auf Papier.
Der gesamte analoge Prozess
Viele Fotoworkshops konzentrieren sich auf eine einzelne Fertigkeit. Man lernt zum Beispiel, die Belichtung einzustellen oder ein Negativ zu vergrößern, das jemand anderes entwickelt hat. Wine & Darkroom verbindet diese Schritte und macht sichtbar, wie jede Entscheidung das Ergebnis beeinflusst.
Eine leicht unterbelichtete Aufnahme zeigt sich auf dem Kontaktbogen. Ein dichtes Negativ braucht mehr Belichtungszeit am Vergrößerer. Ausgeprägte Lichter können eine andere Vorgehensweise beim Vergrößern erfordern. Die Teilnehmenden hören davon nicht nur in der Theorie, sondern erkennen es im eigenen Foto.
Schritt eins: auf Schwarzweißfilm fotografieren
Der Workshop beginnt mit einem 35-mm-Schwarzweißfilm. Sie können Ihre eigene Kamera mitbringen oder vorab eine Kamera des Studios anfragen. Einsteiger lernen, den Film einzulegen, die Belichtung einzustellen und die Kamera zu bedienen – ohne dass jede Aufnahme zur technischen Prüfung wird.
Es geht nicht darum, den Film wahllos vollzumachen. Wir suchen eine kleine Bildfolge mit genügend Unterschieden, um später daraus zu lernen: wechselndes Licht, verschiedene Kontraste, Abstände und Motive.
Da die Aufnahme später vergrößert wird, denken wir schon beim Fotografieren an Tonwerte. Was soll hell bleiben? Wo liegen die tiefsten Schatten? Hebt sich das Motiv vom Hintergrund ab? Die Arbeit in der Dunkelkammer beginnt, bevor der Film in die Dose kommt.
Schritt zwei: den Film von Hand entwickeln

Nach der letzten Aufnahme wird der Film in völliger Dunkelheit auf eine Entwicklungsspirale geladen. Zum ersten Mal müssen Sie sich auf Ihr Gefühl statt auf Ihre Augen verlassen. Anschließend durchläuft der Film Entwickler, Stoppbad und Fixierer.
Der Entwickler wandelt belichtete Silberhalogenidkristalle in sichtbares metallisches Silber um. Das Stoppbad beendet die Entwicklung. Der Fixierer entfernt das verbleibende lichtempfindliche Material, damit das Negativ anschließend bei normalem Licht betrachtet werden kann.
Temperatur, Zeit, Verdünnung und Bewegung sind entscheidend. Im Workshop erklären wir diese Größen verständlich, bevor Sie die Schritte unter Anleitung selbst ausführen. Der sorgfältige Umgang mit Chemikalien gehört dazu: Handschuhe, eindeutig gekennzeichnete Behälter, Belüftung und fachgerechte Entsorgung sind Teil der Arbeit.
Schritt drei: einen Kontaktbogen anfertigen und lesen
Nach dem Wässern und Trocknen liegen die Negativstreifen direkt auf Fotopapier und werden unter dem Vergrößerer belichtet. Der Kontaktbogen zeigt den Film als zusammenhängende Bildfolge.
Er gehört zu den wertvollsten Lernmitteln der analogen Fotografie. Eine einzelne gelungene Aufnahme kann Schwächen im Arbeitsablauf verdecken. Ein Kontaktbogen macht Muster sichtbar: wiederholte Unterbelichtung, verfehlte Schärfe, vorsichtige Bildausschnitte, gelungenes Licht und Momente, in denen der Fotograf sicherer wurde.
Wir wählen ein Bild nicht nur deshalb aus, weil es uns gefällt, sondern auch, weil wir daran lernen können, wie aus einem Negativ ein Abzug wird.
Schritt vier: Probestreifen, Kontrast und der fertige Abzug

Das ausgewählte Negativ kommt in den Vergrößerer. Mit einem Probestreifen ermitteln wir die Belichtungszeit auf dem Papier. Kontrastfilter verändern das Verhältnis der Grauwerte. Durch Abwedeln und Nachbelichten lassen sich später einzelne Bereiche weniger oder stärker belichten. Zunächst geht es aber um einen klaren, ausgewogenen Abzug.
Das Papier durchläuft Entwickler, Stoppbad und Fixierer. Im Dunkelkammerlicht erscheint langsam das Bild. Wer eine Dunkelkammerszene im Kino gesehen hat, kennt diesen Moment – mit dem eigenen Foto bekommt er jedoch eine andere Bedeutung.
Der fertige Silbergelatineabzug wird gewässert und zum Mitnehmen vorbereitet. Er ist keine automatische Kopie. Schon kleine Entscheidungen über Belichtung und Kontrast machen ihn zu einer Interpretation des Negativs.
Warum Wein?
Der Wein ist weder Inszenierung noch Voraussetzung. Er soll lediglich eine ungezwungene Atmosphäre schaffen. Eine alkoholfreie Alternative ist immer verfügbar. Alkohol wird nur an Erwachsene ausgeschenkt, die das gesetzliche Mindestalter erreicht haben.
Fotografie kann einschüchternd wirken, wenn sich jeder Fehler wie eine Prüfung anfühlt. In entspannter Atmosphäre fällt es leichter, grundlegende Fragen zu stellen, sich Zeit zu nehmen und die handwerkliche Arbeit zu genießen. Der sorgfältige Umgang mit Chemikalien und Ausrüstung bleibt dabei in jeder Phase wichtig.
Für wen eignet sich der Workshop?
Wine & Darkroom richtet sich an absolute Einsteiger, Filmfotografen ohne Dunkelkammererfahrung, Paare auf der Suche nach einem kreativen Erlebnis und kleine Gruppen, die gemeinsam etwas gestalten möchten.
Der Workshop ist privat und hat keinen festen öffentlichen Termin. Nach der Buchung stimmen wir einen passenden Zeitpunkt mit Ihnen und der Kursleitung ab. Es gibt Optionen für eine Person, Paare sowie Gruppen mit bis zu vier oder acht Personen.
Was ist enthalten?
- Persönliche Anleitung durch den gesamten Prozess
- Ein 35-mm-Schwarzweißfilm
- Nutzung einer Kamera nach vorheriger Absprache
- Chemikalien und Ausrüstung für die Filmentwicklung
- Fotopapier und Materialien für die Dunkelkammer
- Ein Kontaktbogen und mindestens ein selbst angefertigter Abzug
- Wein für erwachsene Teilnehmende oder eine alkoholfreie Alternative
Warum der Kontaktbogen mehr als ein technischer Zwischenschritt ist
Beim Kontaktbogen wird der Workshop ruhig genug, um die eigenen Bilder bewusst auszuwählen. Ein ganzer Film auf einen Blick zeigt, wie sich Entscheidungen wiederholen. Vielleicht war die Kamera immer etwas zu weit vom Motiv entfernt. Vielleicht entstanden die stärksten Bilder bei seitlichem Licht. Vielleicht sind die ersten Aufnahmen vorsichtig und die letzten freier.
Solche Beobachtungen fallen schwerer, wenn Fotos einzeln auf dem Handy erscheinen. Der Kontaktbogen macht aus dem Film einen Satz: Die einzelnen Bilder werden zu Wörtern, deren Reihenfolge etwas über die Gedanken beim Fotografieren erzählt.
Der Workshop folgt dem Material, nicht der Stoppuhr
Film braucht seine Zeit. Eine laufende Entwicklung lässt sich nicht beliebig beschleunigen, nasse Negative lassen sich nicht sofort vergrößern und Fotopapier muss belichtet, entwickelt, gewässert und beurteilt werden. Das private Format erlaubt es, den Ablauf an Sie und das Material vor uns anzupassen.
Manche möchten länger mit der Kamera üben. Andere interessieren sich besonders für Probestreifen oder den Vergleich zweier Kontrastfilter. Es geht nicht darum, eine Vorführung schnell abzuarbeiten. Sie sollen einen zusammenhängenden Prozess kennenlernen, den Sie später selbst wiederholen können.
Häufig gestellte Fragen
Brauche ich Vorkenntnisse?
Nein. Jeden Schritt erklären und zeigen wir, bevor Sie ihn selbst ausführen.
Brauche ich eine eigene Kamera?
Nein. Teilen Sie uns nach der Buchung mit, wenn wir eine 35-mm-Kamera für Sie vorbereiten sollen.
Ist der Workshop nur für eine Person gedacht?
Nein. Es gibt Optionen für eine Person, Paare und private Gruppen.
Kann ich einen Abzug mit nach Hause nehmen?
Ja. Sie fertigen mindestens einen Schwarzweiß-Silbergelatineabzug an.
Wie wird der Termin vereinbart?
Der Workshop hat keinen festen Termin. Nach dem Kauf kontaktieren wir Sie, um einen passenden Zeitpunkt zu vereinbaren.
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