Rodrigos erste Begegnungen mit der Fotografie waren ganz unbeschwert: eine Kompaktkamera aus Kunststoff in seiner Kindheit und die Freude darüber, was aus dem Labor zurückkam.
Jahre später fand er zur analogen Fotografie zurück – nicht aus beruflicher Verpflichtung, sondern als spielerische Möglichkeit, genauer hinzusehen.

Katzen, Stadtansichten und neue Orte
Rein nach der Anzahl der Bilder fotografiert Rodrigo am häufigsten seine Katzen, erzählt er. Außerhalb seiner Wohnung kehrt er aber immer wieder zu Stadtansichten zurück.
Fotografie ist für ihn eine der liebsten Möglichkeiten geworden, einen neuen Ort zu entdecken. In Berlin organisiert er mit Freunden kleine Fotospaziergänge durch unterschiedliche Ecken der Stadt. Die Kamera gibt ihnen einen Anlass, unbekannte Orte aufzusuchen.

Die Olympus Trip 35
Als Rodrigo zur analogen Fotografie zurückkehren wollte, fragte er seine Eltern nach ihren alten Kameras. Eine davon war eine Olympus Trip 35.
Gerade die Einfachheit dieser Kamera hat ihm etwas gezeigt.
„Man braucht nicht die teuerste Ausrüstung, um richtig schöne Momente festzuhalten.“
Die Trip 35 ließ ihn Grenzen nicht als Hindernisse betrachten, die es zu überwinden gilt. Sie erinnerte ihn daran, dass Aufmerksamkeit wichtiger ist als Ausrüstung.

Manchmal entsteht kein Foto
Auf Film wählt Rodrigo bewusster aus. Bevor er auslöst, denkt er über Bildausschnitt und Komposition nach. Manchmal führt ihn das zu der Entscheidung, überhaupt kein Foto zu machen.
Auch dieses Nein gehört zum Prozess. Die begrenzte Zahl der Aufnahmen macht jedes Bild zu einer Entscheidung statt zu einer automatischen Reaktion.

Der schönste Teil kommt später
Sein liebster Moment kommt, wenn der entwickelte Film aus dem Labor zurück ist und er mit dem Scannen beginnt.
Der zeitliche Abstand macht das Erlebnis umso lohnender. Ein Bild, das nach all dem Warten Bestand hat, fühlt sich verdient an. Ein gutes Foto betrachtet er länger und mit mehr Wertschätzung, weil er es nicht sofort durch eine andere Version ersetzen kann.

Gedehnte Zeit
Manchmal lässt Rodrigo belichtete Filme in einer Schublade liegen. So wird der Abstand zwischen dem fotografierten Moment und dem fertigen Bild noch größer.
Diese Verzögerung verändert die Erinnerung. Wenn das Foto schließlich vor ihm liegt, kann sich das Ereignis bereits weit entfernt anfühlen.
Dieser Abstand schwächt das Bild nicht unbedingt – er kann es kostbarer machen.
„Je weiter die Erinnerung zurückliegt, desto kostbarer wird das in der Zeit eingefrorene Bild.“

Ganz Berlin festhalten wollen
Rodrigos Blick auf Berlin ist breit und nicht auf ein enges Thema begrenzt. Er fotografiert die ausgedehnte Stadt, öffentliche Verkehrsmittel, Natur, Seen und den Wechsel der Jahreszeiten.
Die Stadt ist für ihn kein einzelnes Motiv, sondern eine Vielzahl von Alltagsabläufen und Lebensräumen, die sich unterwegs immer wieder neu zeigen.

Ein zukünftiges Projekt über Spätis
Als Nächstes möchte er sich stärker auf ein Thema konzentrieren. Statt nur das zu fotografieren, was seine Aufmerksamkeit weckt, interessiert Rodrigo ein klar umrissenes Projekt.
Eine Idee kehrt immer wieder: die Berliner Spätis.
Noch ist das Späti-Projekt eine Idee, der er nachgehen möchte – eine Möglichkeit, seiner Neugier auf Berlin einen klareren Schwerpunkt zu geben.

Die Freude am Fotografieren bewahren
Rodrigo möchte nicht, dass Fotografie zu einer weiteren Quelle von Druck wird. Er macht sich bewusst keine Gedanken darüber, professionellen Ansprüchen zu genügen oder ständig neue Ausrüstung zu kaufen.
Es geht um die Freude daran.
Diese Leichtigkeit lässt die Fotografien langsam zusammenkommen. Gewöhnliche Szenen, Katzen, Züge, Seen und Straßenecken werden kostbarer – allein dadurch, dass Zeit vergangen ist.


Fragen zu Rodrigos analoger Fotografie
Welche Kamera half Rodrigo, zur analogen Fotografie zurückzufinden?
Eine Olympus Trip 35 seiner Eltern half ihm, Film neu zu entdecken. Die Bildauswahl enthält außerdem Aufnahmen mit Minolta X300 und X700.
Warum ist ihm das Warten wichtig?
Rodrigo freut sich darauf, entwickelte Filme zurückzubekommen und zu scannen. Er findet, dass Fotografien kostbarer werden können, je weiter die Erinnerungen zurückliegen, die sie bewahren.
Was möchte er als Nächstes fotografieren?
Er denkt über ein Projekt zu Berliner Spätis nach, das seinem bisherigen Interesse an Stadtansichten und Alltagsorten einen klareren Schwerpunkt geben würde.
Weitere Fotografien von Rodrigo findest du auf seiner Lomography-Seite ni_knight.
Die Angaben zu Kamera, Film und Ort stammen aus den von Rodrigo übermittelten Dateinamen. Interview und Redaktion: Emiliano Vittoriosi / Berlin Photo Studio. Aus dem Englischen übersetzt.
Weitere Gespräche über Fotografie, Erinnerung und Alltag findest du in Developing Stories.
Developing Stories ist eine redaktionelle Reihe von Berlin Photo Studio über die Menschen, Erinnerungen und Lebensgeschichten hinter den Fotografien, denen wir begegnen.