Roris erste Verbindung zur Fotografie entstand nicht durch eine eigene Kamera, sondern durch Familienfotos. Als er in Indonesien aufwuchs, sorgte seine Mutter dafür, dass die Familie Fotostudios besuchen konnte, auch wenn das viel Geld kostete. Diese Bilder zeigten ihm, dass selbst gewöhnliche gemeinsame Zeit es wert ist, bewahrt zu werden.
Persönliche Bedeutung gewann das Fotografieren erst viel später, nachdem Rori 2021 nach Japan gezogen war. Was als Hobby und Ausgleich zum Stress begann, wurde allmählich zu einer Art, seinen Alltag zu verstehen.
Mit Film einen anderen Rhythmus finden
Rori begann digital zu fotografieren. Alte Familienalben, Fotobücher und Freunde, die auf Film arbeiteten, führten ihn zu Analogkameras. Dabei blieb er nicht nur wegen der Bildwirkung des Films, sondern auch, weil sich seine eigene Arbeitsweise veränderte.
Weil die Zahl der Aufnahmen begrenzt ist, bekommt jedes Bild mehr Gewicht. Die Kamera halten, den Ausschnitt wählen, auslösen, den Film weiterspulen und auf die Entwicklung warten: All das dehnt einen Moment, der sonst rasch vergangen wäre. In einer Welt, in der immer mehr sofort verfügbar ist, gibt dieser Ablauf einen Grund zum Innehalten.
Entdecken statt konstruieren
Rori geht selten mit einem starren Projektplan aus dem Haus. Er läuft, schaut und lässt sich von Licht, Menschen oder kleinen Ereignissen aufhalten. Am natürlichsten fühlt sich Fotografie für ihn als Entdecken an, nicht als Konstruieren.
Derzeit möchte er seine Fotos weniger in eine fest benannte Serie zwängen, als beobachten, welche Verbindungen sich zwischen ihnen ergeben. Alltag, Stadträume und Menschen, die womöglich nicht ahnen, dass sie Teil der visuellen Erinnerung eines anderen werden, fügen sich langsam zu einer größeren Geschichte.
Auch die Bildauswahl braucht Zeit
Das langsame Arbeiten endet nicht mit der Filmentwicklung. Rori scannt seine Negative zu Hause und bearbeitet sie nur so weit wie nötig. Ihm ist wichtig, das zu bewahren, was bei der Aufnahme tatsächlich da war.
Auch über die Qualität eines Bildes möchte er nicht vorschnell urteilen. Mit etwas Abstand kann ein Foto interessanter werden, wenn die erste Begeisterung oder Enttäuschung abgeklungen ist. Seine stärksten Bilder sind oft jene, die er auch nach längerer Zeit noch ansehen möchte.
Burnout und das Recht, nicht zu fotografieren
Diese Beziehung zur Zeit wurde nach einer Phase des Ausgebranntseins besonders wichtig. Ständiges Fotografieren, Bearbeiten und Nachdenken über neue Arbeiten hatte etwas, das er liebte, in eine Pflicht verwandelt.
Aus dieser Erfahrung lernte er, Pausen zu machen. Heute erlaubt er sich, ohne Kamera spazieren zu gehen, zu beobachten, ohne etwas festzuhalten, und sich auszuruhen, ohne das als mangelnde Produktivität zu werten.
Ein gesundes Verhältnis zur Fotografie ist ihm inzwischen wichtiger als ununterbrochen neue Bilder zu produzieren.
Ein Porträt seiner Mutter

Ein Foto bringt viele dieser Gedanken zusammen. Rori fotografierte seine Mutter zum ersten Mal, als sie im Hof des Familienhauses kochte. Nichts war vorbereitet. Nachmittagslicht fiel durch die Blätter, Rauch stieg aus einem Holzofen auf, und sie tat einfach, was sie immer tat.
Gerade in seiner Einfachheit liegt die Bedeutung des Bildes. Es bewahrt Heimat, das Vergehen der Zeit und die Gegenwart eines Menschen, der immer da war, auch wenn Rori selbst weit entfernt lebte.
Den Fotos ein neues Leben geben
Roris Vorhaben reichen über einzelne Bilder hinaus. Er hat am gemeinsamen Fotobuch Story Of The Street mitgewirkt und ein eigenes Buch gestaltet: 僕と千葉の端 / Me and The Edge of Chiba. Fotobücher, Zines und Ausstellungen sind ihm wichtig, weil Bilder durch ihre Reihenfolge ein zweites Leben erhalten können, jenseits des Augenblicks ihrer Entstehung.
Eine eigene Ausstellung bleibt ein Wunsch, doch Rori möchte nichts erzwingen. Vorerst geht er weiter spazieren, sammelt Bilder und lässt daraus auf natürliche Weise eine zusammenhängende Arbeit entstehen.
Für ihn ist Fotografie eine Reise ohne festes Ziel: eine Art, die Welt um sich herum zu sehen, sich daran zu erinnern und sie zu verstehen.
Developing Stories ist eine redaktionelle Reihe von Berlin Photo Studio über Menschen, Erinnerungen und Lebensgeschichten hinter den Filmen, die wir entwickeln.