Tereza Vondrackova wuchs mit analoger Fotografie auf, lange bevor sie diese als „analog“ wahrnahm. Im Urlaub und bei alltäglichen Anlässen war die Kompaktkamera der Familie dabei. Man fotografierte einfach, weil etwas bewahrenswert erschien.
Jahre später, mit etwa dreißig, kehrte sie zu dieser Gewohnheit aus der Kindheit zurück. Die Technik war vertraut, ihre Bedeutung aber eine andere geworden. Film wurde zu einer bewussten Möglichkeit, in der Gegenwart zu bleiben und zugleich etwas für die Zukunft zu schaffen.
Erinnerungen schaffen, ohne den Moment zu verlassen
Fotografie ist für Vondrackova eng mit Erinnerung verbunden. Sie zieht es zu den kleinen Dingen, die sie mitnehmen möchte: Licht, das über ein Gebäude wandert, geliebte Menschen, eine zufällige Geste oder eine Situation, die sich vielleicht nie genau so wiederholt.

Analoge Fotografie verstärkt dieses Gefühl, weil kein sofort sichtbares Bild kontrolliert werden muss. Der Moment darf weitergehen. Das Foto ist gemacht, unterbricht aber nicht unmittelbar das Erlebnis, aus dem es entstanden ist.
Berlin-Wedding als fotografisches Zuhause
Berlin-Wedding ist Teil dieser Beziehung geworden. Vondrackova fühlt sich dem Malplaquet-Kiez und den Menschen dort verbunden, auch der Umgebung von Berlin Photo Studio.

Im eigenen Viertel zu fotografieren ist etwas anderes als an einem Reiseziel. Die Straßen sind vertraut, deshalb braucht es einen aufmerksameren Blick. Durch Wiederholung gewinnen Orte an Bedeutung: Ein Weg, den man kaum noch wahrnimmt, erscheint plötzlich anders, weil das Licht wechselt oder jemand ins Bild tritt.
Warum Film zum Urlaub passt
Auch auf Reisen gehört Film für Vondrackova ganz selbstverständlich dazu. Urlaub schafft Abstand zum Alltag; analoge Fotografie verstärkt diesen Abstand. Sie kann fotografieren, ohne das Erlebte sofort über einen Bildschirm zu betrachten.

Nach der Heimkehr werden die fertigen Reisefotos zu einer zweiten Entdeckung. Der Film bewahrt Erlebnisse, die bereits anfangen, zu Erinnerungen zu werden.
Rom, Licht und Menschen, die einfach sie selbst sind
Auf einer kürzlichen Reise nach Rom beobachtete Vondrackova das Licht auf den Gebäuden und das, was sie schlicht als „Menschen, die einfach Menschen sind“ beschreibt. Diese alltäglichen Begegnungen werden ihr immer wichtiger.

Künftig möchte sie spontaner fotografieren: Menschen, die ihrem Leben nachgehen, bewegte Gegenstände und Szenen, deren Energie nicht erst durch eine Inszenierung für die Kamera entsteht.
Ein Film namens Watermelon verändert die Farbpalette
Bis vor Kurzem hatte Vondrackova überwiegend mit vertrauten Kodak-Filmen fotografiert. Mit dem Watermelon-Film von Berlin Photo Studio kam etwas Neues hinzu: Farben, die sich weniger vorhersehbar verhalten und stärker von der sichtbaren Szene entfernen können.

Diese Unberechenbarkeit machte sie neugierig auf Farbe als eigenständigen Bestandteil des Bildes. Sie fragte sich nicht mehr nur, ob der Film das Gesehene wiedergab, sondern auch, was die veränderte Farbpalette der Erinnerung hinzufügte.
Die Nähe, die ohne sofortige Bildkontrolle entsteht
In der Nähe geliebter Menschen eine Analogkamera hervorzuholen, schafft eine stille Vertrautheit. Die Geste sagt: Dieser Moment ist wichtig. Weil das Ergebnis nicht sofort betrachtet werden kann, muss daraus aber keine Inszenierung für das Foto werden.

Vondrackovas Rückkehr zur analogen Fotografie ist deshalb weniger eine Rückkehr zu alter Technik als zu einem vertrauten Verhältnis zur Zeit. Die Kamera hält etwas für später fest und lässt zugleich die Gegenwart ungestört.
Developing Stories ist eine redaktionelle Reihe von Berlin Photo Studio über Menschen, Erinnerungen und Lebensgeschichten hinter den Filmen, die wir entwickeln.