Für Martina Gambino beginnt Fotografie vor dem Auslösen und geht lange danach weiter. Sie beginnt mit der Begegnung zwischen Menschen und setzt sich in Negativen, Scans und Archiven fort – und in der Sorgfalt, mit der ein Foto auch später zugänglich bleibt.

Fotografie beginnt mit Menschen
Martina interessieren Menschen, zu denen sie eine Verbindung aufbauen kann – ob Fremde oder Personen, die bereits zu ihrem Leben gehören. Neugier, Einfühlungsvermögen und Offenheit prägen sowohl ihre Fotografie als auch ihre Arbeit im Studio.
Der Austausch rund um ein Bild ist ihr ebenso wichtig wie das Bild selbst. Eine Aufnahme kann Vertrauen, Nähe oder einen kurzen Moment festhalten, in dem zwei Menschen einander ohne viele Worte verstehen.

Von der Kundin zum Teammitglied
„Ich hatte das Gefühl, meiner kreativen Seite nicht genug Raum zu geben.“
Martina kam zunächst als Kundin ins Berlin Photo Studio, während sie in Bars arbeitete. Als sie Emiliano und das Team kennenlernte, wurden ihre Begeisterung für Film und ihre Lernbereitschaft deutlich. Aus dieser Verbindung entstand schließlich die Möglichkeit, im Studio mitzuarbeiten.
Mit 24 sieht sie darin den Anfang eines längeren kreativen Weges. Ein richtungsweisendes Projekt muss nicht zu früh erzwungen werden. Schon die tägliche Arbeit ist bereichernd, weil jede Aufgabe neues Wissen mit sich bringt.
Welche Aufgaben übernimmt Martina im analogen Prozess?
Ihre Arbeit konzentriert sich auf drei miteinander verbundene Bereiche:
- Scannen: verstehen, wie aus einem physischen Negativ ein digitales Bild wird und wie bewusste Entscheidungen das Ergebnis prägen.
- Film konfektionieren: Filme für die hauseigenen Filmrollen des Berlin Photo Studio von Hand vorbereiten.
- Archivierung: Negative ordnen und sorgfältig aufbewahren, damit sie zugeordnet und wiedergefunden werden können.
Diese Aufgaben geschehen oft im Hintergrund, sind aber unverzichtbar. Ein gutes Archiv bewahrt den Zusammenhang eines Fotos. Ein sorgfältiger Scan erhält die persönliche Handschrift der fotografierenden Person. Präzise konfektionierter Film ermöglicht es, dass in einer Kamera die nächste Geschichte beginnt.
Was hat die Arbeit im Studio verändert?
Durch die Arbeit im Berlin Photo Studio hat Martina gelernt, jeden Schritt der analogen Fotografie zu schätzen, nicht nur das fertige Bild. Einlegen, Belichten, Entwickeln, Trocknen, Schneiden, Scannen, Beschriften und Aufbewahren gehören zusammen. Jeder Schritt beeinflusst, ob das Bild erhalten bleibt und später noch eingeordnet werden kann.
Dabei wurde ihr auch klar, dass das Lernen nie aufhört. Neugier steht nicht neben dem technischen Können – sie ist es, die dieses Können weiterwachsen lässt.
Fotografie, Lyrik und Schreiben
Martina möchte sicherer in der Dunkelkammer werden und jeden Schritt des analogen Prozesses verstehen. Gleichzeitig will sie Fotografie mit Lyrik und Schreiben verbinden, um persönlichere Geschichten zu erzählen.
Entdecke weitere Arbeiten im Profil von Martina Gambino oder folge @notmein35mm.
Häufige Fragen
Was macht Martina im Berlin Photo Studio?
Sie hilft beim Scannen und Konfektionieren von Film sowie beim Ordnen und Pflegen der Negativarchive. Dabei lernt sie die weiteren Abläufe im Labor kennen.
Wie kam Martina ins Team?
Sie kam zunächst als Kundin ins Berlin Photo Studio. Ihre Begeisterung, Neugier und Lernbereitschaft eröffneten ihr die Möglichkeit, Teil des Teams zu werden.
Was möchte Martina als Nächstes erkunden?
Sie möchte sicherer in der Dunkelkammer werden und Fotografie mit Lyrik und Schreiben verbinden.
Wann fachliche Hilfe sinnvoll ist
Fachliche Hilfe ist sinnvoll, wenn der nächste Schritt unumkehrbar ist, das Material unersetzlich ist oder dasselbe Problem nach einem kontrollierten Test erneut auftritt. Bringe alle relevanten Informationen mit: Kamera oder Format, Filmsorte, eingestellte Empfindlichkeit, die vollständige Negativfolge, Originalscans und Auftragsdaten. Damit erhält die Fachperson konkrete Anhaltspunkte statt eines isolierten Bildausschnitts.
Bitte zuerst um eine Diagnose, bevor du eine Reparatur oder neue Scans beauftragst. Eine klare Erklärung dazu, was am Material erkennbar ist, was sich noch ändern lässt und was als Nächstes geprüft werden sollte, schützt sowohl deine Fotos als auch dein Budget.
Was diese Geschichte zur analogen Fotografie beiträgt
Dieser Beitrag ist mehr als ein Porträt oder eine Empfehlung. Er zeigt, wie sich fotografische Praxis durch Wiederholung, Neugier und den Austausch mit anderen entwickelt. Achte auf die Entscheidungen hinter der Arbeit: Warum wurde eine bestimmte Kamera gewählt? Wie hat die Bildauswahl die Reihenfolge verändert? Und was wurde am tatsächlichen Negativ oder Abzug gelernt?
Diese Entscheidungen können Fragen für die eigene Praxis anregen, ohne dass du den Stil einer anderen Person kopieren musst.
Eine einfache Übung zur Reflexion
- Wähle ein Bild oder einen Gedanken aus diesem Artikel, der dir im Gedächtnis bleibt.
- Beschreibe ohne Fachsprache, was dich daran anspricht.
- Benenne eine konkrete gestalterische Entscheidung, die zu diesem Gefühl beiträgt.
- Gehe derselben Frage in einer kleinen Fotoserie, einer Bearbeitung oder einem Druck nach.
- Notiere, was sich verändert hat, als die Arbeit eine greifbare Form bekam.
So wird dieser Beitrag zu einem Ausgangspunkt für die eigene Arbeit, statt nur gelesen und wieder vergessen zu werden.
Baue dir eine persönliche Sammlung von Anregungen auf
Notiere dir Fotografen, Bücher, Gespräche, Ausstellungen und Abzüge, die dich beeinflussen. Halte das konkrete Bild, die Seite oder die Idee fest, nicht nur den Titel. Mit der Zeit zeigen wiederkehrende Themen, was dich wirklich beschäftigt.
Verbinde Inspiration mit eigener Arbeit: Mache für jede gesammelte Anregung eine Aufnahme, einen Kontaktbogen, eine Bildauswahl oder einen Abzug. Deine Sammlung wird dann nützlich, wenn sie deine Arbeit verändert.
Weitere Ratgeber: Emma Fiacchini: Film, Bildbearbeitung und Zusammenarbeit.
Eine weitere Geschichte aus dem Studio: Lorenzo Scutti: Unsichtbar hinter der Kamera.
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